Nada simply care

Duschgel & Shampoopulver ohne Wasser

Melissa Spoden lebt in Berlin und ist in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Sie studierte Epidemiologie und promovierte in Public Health. Um die Nachfüll-Kosmetik ihrer Eltern in die moderne Zeit zu übersetzen, entwickelte sie die erste Pulver-zu-Gel Rezeptur für nachhaltiges Shampoo & Duschgel ohne Plastikmüll. Gemeinsam mit ihrer Mutter gründete sie nada – simply care und finanzierte die erste Produktion 2019 über ein Crowdfunding. Das Duschgel & Shampoo Pulver gewann 2021 den Best New Product Award für Haarpflege.

Wann kam Deine Idee für “nada – simply care” das erste Mal auf?

Das kann ich tatsächlich gar nicht mehr so genau sagen, es war ein relativ langer Prozess bis wir auf diese Idee gekommen sind. Angefangen hat wohl bereits alles schon vor über 30 Jahren mit der Naturkosmetik Serie meiner Eltern, die sie in Nachfüllstationen in Reformhäusern und Bioläden angeboten hatten. Ich war immer sehr stolz darauf, dass sie sich schon damals der Gefahr des vielen Plastikmülls so bewusst waren und aktiv etwas dagegen getan haben. Umso trauriger fand ich es deshalb auch, dass sich das Konzept nicht langfristig durchsetzen konnten. Das hat mich jedoch motiviert darüber nachzudenken, wie man nachhaltige Konzepte so umsetzen kann, dass sie hinsichtlich des Convenience Levels mit konventionellen Produkten mithalten können und so Konsument*innen keine Kompromisse mehr für nachhaltige Produkte eingehen müssen. Das Ziel war ein Shampoo mit der gewohnten Textur und dem Handling eines Gels zu entwickeln, das eben ohne diesen typischen Nachfüll Prozess in einem Laden funktioniert und somit genauso einfach in den Alltag zu integrieren ist wie die ein konventionelles Shampoo aus der Plastikflasche. Als ich mich anfing damit zu beschäftige, war gerade Bioplastik im Trend und deshalb habe ich erstmal recht lange in diese Richtung recherchiert, um dann festzustellen, dass zum einen der Abbauprozess meistens gar nicht so optimal funktioniert und sowieso bereits beginnt, sobald Wasser im Spiel ist. Darüber kam dann aber meine Schwester auf die Idee, dass wir einfach das Wasser weglassen und einfach ein Konzentrat anbieten könnten.

Was hast Du dafür getan, um Deine Vision in die Tat umzusetzen?

Mich tatsächlich häufig zum Depp gemacht. Angefangen bei der Anfrage, ob man denn nicht Shampoo als Pulver-Konzentrat herstellen könnte. Damals gab es Putztabs und ähnliches in Deutschland noch gar nicht, dementsprechend bin ich da auf sehr viel Zweifel gestoßen und wurde von manchen Lohnherstellern am Telefon regelrecht ausgelacht. Der Herstellungsprozess von Shampoo ist nämlich eigentlich relativ komplex, mit verschiedenen Phasen und Temperaturen, um eben diese perfekten Gels herstellen zu können. Deshalb musste ich dann letztlich die erste Rezeptur für unser Pulver-Shampoo selbst entwickeln, was ohne Wissen natürlich Monate gedauert hat, aber ich empfand es auch immer als ganz schönen Ausgleich neben meiner Promotion immer mal wieder quasi etwas Handwerkliches machen zu können und mit Inhaltsstoffen zu experimentieren.

Was ist Deine absolute Superkraft?

Wahrscheinlich ist es meine Neugierde, denn die bringt mich immer wieder dazu mich in neue Themen einzuarbeiten und es verstehen zu wollen. Ohne diese Neugierde hätte ich wohl kaum so lange nach einer nachhaltigen Alternative für Shampoo gesucht und mich dann daran gemacht selbst eine Shampoo Rezeptur zu entwickeln.

Gab es für dich jemals einen Plan B?

Ich lebe quasi meinen Plan B, denn ich arbeite hauptberuflich als Epidemiologin. Und ich liebe meinen Job auch sehr. Das ist eventuell auch der Nachteil meiner Neugierde, dass ich mich für vieles interessiere und es dann doch etwas schwierig ist, sich nur für eine Sache zu entscheiden. Auf der anderen Seite bin ich so natürlich auch abgesichert, jedoch zum Leidwesen meiner Freizeit.

Was würdest Du jungen Menschen raten, die sich mit Ihrer Passion

selbstständig machen möchten?

Ich würde nicht sagen, tu es einfach und probier dich aus. Das gilt meines Erachtens nur im Mikromanagement, hier sollte man häufig schneller agieren und Dinge einfach ausprobieren, das habe ich auf jeden Fall im letzten Jahr gelernt. Die große Entscheidung jedoch sich selbstständig zu machen, sollte wirklich wohl überlegt sein. Insbesondere Frauen vergessen häufig, dass wir die Menschen sind von denen eigentlich die Rede ist, wenn über Altersarmut gesprochen wird. Wir arbeiten häufiger in Teilzeit, sorgen seltener aktiv finanziell vor, haben schlechter bezahlte Stellen in schlechter bezahlten Branchen… Das bedeutet, dass wenn sich unsere Selbstständigkeit sich nicht so entwickelt wie gedacht, fallen wir härter als der Schnitt der Männer. Das soll auf keinen Fall demotivieren, sondern eher das Augenmerk darauf legen, wie kann ich mich selbstständig machen und am besten davon profitieren ohne ein zu großes Risiko einzugehen. Oft hat man nur seine aktuellen Lebensumstände im Blick und denken wir brauchen nicht so viel, wir können auch ein paar Jahre mit weniger Einkommen zurechtkommen. Frauen sind außerdem insgesamt finanziell sehr viel bescheidener, wodurch wir aber eben Gefahr laufen, dass wir nicht auf alle Eventualitäten im Leben vorbereitet sind und uns schneller in irgendeiner Form der Abhängigkeit wiederfinden. Also eigentlich möchte ich nur sagen, dass man immer vorsorgen und einen Plan B haben sollte, während man versucht den großen Apfel zu bekommen.

Was war Dein größtes Learning im Business?

Da ich aus der Forschung komme, war gefühlt alles ein Learning. Ich habe noch nie in einem Jahr so viel auf so vielen verschiedenen Ebenen gelernt. Allein diese Business Welt zu verstehen und wie man miteinander kommuniziert war ein Learning. In der Forschung sind Soft Skills tatsächlich eher nachrangig, alles ist sehr sachlich und auf das Thema fokussiert. Das ist in der Business Welt komplett anders. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es da bei mir überhaupt so viel Entwicklungspotential gibt. Zum Beispiel das Crowdfunding war mir persönlich recht unangenehm, denn ich nutze privat kaum Social Media und bin einfach nicht so gerne digital präsent. Ich ging davon aus, dass das einfach eine Charaktereigenschaft von mir ist und habe es so akzeptiert. Im letzten Jahr habe ich aber gemerkt, dass dem gar nicht so ist, dass ich mit der Zeit immer vertrauter damit geworden bin, auch als Person hinter der Marke auftreten zu können. Und jetzt sitze ich und rede bei einem Podcast! 

Wie bist Du bei der Vermarktung Eures Produktes vorgegangen?

Wir haben zunächst darauf gesetzt im Bio-Einzelhandel vertreten zu sein, weil wir diesen Anspruch haben, dass nachhaltige Produkte sich genauso einfach in den Alltag schmiegen, wie ihre konventionellen Alternativen und da ist es nur logisch, dass ich mein Shampoo und Duschgel einfach beim üblichen Einkauf mitnehmen kann. Damit hatten wir auch richtig Glück. Unser Produkt war im September fertig und im Januar standen wir schon bundesweit in den Alnatura Regalen. Das war ein super Start. Im Februar haben wir dann überraschend den Best New Product Award für Haarpflege auf der VIVANESS gewonnen und so viele weitere Kontakte in den Groß- und Einzelhandel bekommen. Wir haben jedoch auch immer mehr gemerkt, dass uns komplett der Kontakt zu unseren Kund*innen verloren gegangen ist. Durch das Crowdfunding waren wir einen sehr engen Kontakt mit unseren Unterstützer*innen gewohnt, über den Einzelhandel brach dieser dann jedoch immer mehr ab und somit fehlte uns einfach das Feedback, wie z.B. wer kauft uns eigentlich, wie kommt unser Produkt an, was wünscht sich unsere Zielgruppe, etc. Deshalb habe ich dann Mitte letzten Jahres einen Onlineshop aufgesetzt und so wieder mehr Kontakt zu unseren Kund*innen bekommen. Es ist auch immer richtig schön, wenn dann Nachrichten von Kund*innen kommen, die uns schreiben wie sehr nada ihre Pflege bereichert hat oder auch wenn ich sehe, dass Kund*innen immer wieder bestellen und so das Nachfüll-Konzept wirklich gelebt wird.

Habt ihr mit Investoren zusammengearbeitet?

Da unsere Idee damals noch komplett unbekannt war, wollten wir erstmal austesten, ob es dafür überhaupt einen Markt gibt und haben deshalb auf ein Crowdfunding gesetzt. Die Frage noch Investoren ins Boot zu holen, haben wir uns auch im Anschluss irgendwie nie so wirklich gestellt. Wir möchten in unserer Geschwindigkeit arbeiten und möchten unsere Marke nach unseren und den Vorstellungen unserer Kund*innen entwickeln. Da sind wir ohne Investor zwar sehr viel langsamer, aber eben auch sehr viel freier in unseren Entscheidungen.

Würdest Du Rückblickend etwas anders machen?

Ich würde tatsächlich zuerst auf den Onlinehandel setzen und dann nach ein paar Monaten auch den Einzel- und Großhandel ins Auge fassen. Denn bei uns hatte sich aufgrund des schnellen Starts im Handel einiges überschlagen und das war phasenweise recht heftig, vor allem in der Kombination, dass ich noch blutige Anfängerin war. Außerdem hatte ich immer eine ganz wissenschaftliche Herangehensweise und habe nach der einen richtigen Methode für alles gesucht. Dieses einfach Ausprobieren und nach menschlichem Verstand und Instinkt sich leiten zu lassen, musste ich wirklich erst lernen. Da hätte ich definitiv von Anfang an mehr auf mich selbst vertrauen müssen. Auch mehr darüber sprechen, auch wenn man selbst noch einige unperfekte Stellen sieht.

Deine Pläne für die Zukunft?

Ein wirklich rundes Sortiment aufbauen, dass Menschen aufgrund der Produkteigenschaften kaufen und nicht weil es nachhaltig ist. Nur so können wir mit nachhaltigen Konsumgütern die breite Gesellschaft erreichen. Aktuell liegt der Fokus bei vielen nachhaltigen Produkten rein auf Nachhaltigkeit und viele weitere für die Konsument*innen wichtige Produkteigenschaften treten in den Hintergrund. Das macht es dann vielen Menschen einfach schwer sich langfristig für ein nachhaltiges Produkt zu entscheiden, wenn der Trade-Off zwischen Convenience und Nachhaltigkeit einfach zu groß ist.

Ein Glaubenssatz, der Dich schon lange begleitet?

Ich habe bewusst gar keinen Glaubenssatz. Wahrscheinlich habe ich schon Glaubenssätze denen ich unbewusst immer folge, aber wirklich bewusst einen an dem ich mich orientiere habe ich nicht.

Melina Johannsen

Melina Johannsen

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